Auf den Spuren von NOSFERATU

 

Friedrich Wilhelm Murnau
(1888-1931)

Viele Filme beeinflussten mich, was mein Geschmack und Stil betrifft in meinen Fotos oder wie ich was gestalte oder mache. Darunter ist ganz sicher der Film NOSFERATU – Eine Symphonie des Grauens, der sogar im Allgemeinen als Pionierfilm des Horror Genres angesehen wird.

So nahm ich mir fest vor, bei meinem nächsten Besuch in Berlin, mich mal auf die Spuren einer meinen „Helden“ zu begehen. Im Juni 2015 war es dann soweit. Am 2. Juni 2015 machte ich mich auf den Weg zum Südwestkirchhof Stahnsdorf Berlin und besuchte dort das Ehrengrab von Friedrich Wilhelm Murnau. Durch mein Vorstellen und ein Gespräch mit der Friedhofdirektion wurde mir sogar offiziell erlaubt in der Gruft und den Sarg von Friedrich Wilhelm Murnau, welches nicht öffentlich ist, zu fotografieren. In der Gruft liegt Murnau im Sarg rechts. Daneben liegen die beiden Brüder.

 

Als ich die Fotos von Murnaus Grab und viele weitere schöne Fotos vom Friedhof im Kasten hatte machte ich auf dem Heimweg bzw. ins Hotel in Berlin. Dann überkam mir den Gedanken „Mann oh Mann, etwas Wichtiges haste vergessen!?“ Max Schreck der Hauptdarsteller war nicht minder beteiligt, dass dieser Film eine düstere Herrlichkeit wurde und auf jeden Fall zu meiner kleinen Honorierung hier dazugehört.

Max Schreck
(1879-1936)

Ich fand heraus sein Grab liegt auf dem gleichen Friedhof und ich bin aber wieder in Berlin. So entschied ich mich am nächsten Tag den 3. Juni nocheinmal den ganzen Weg mit Bahn und Bus auf mich zu nehmen. Dies machte ich ganz früh am Morgen, da ich am Nachmittag zu einem wichtigen Konzert gehen wollte. Wieder beim Südwestkirchhof angekommen am nächsten Tag, entpuppte sich, dass das Grab von Max Schreck zu finden nicht ganz einfach war. 1. ist es kein Ehrengrab, somit nirgends eingezeichnet. 2. leitete mich Google Map an einen falschen Ort auf dem Friedhof (der ist wirklich gross, sind eigentlich drei grosse Friedhöfe aneinander). Aber die Mitarbeiter waren derart hilfsbereit und liebenswert, das war schon aussergewöhnlich.

Sie halfen mir, telefonierten miteinander und als ich mit dem Bus an den besagten anderen Ort ankam, wurde ich von Herr Reinle persönlich vom Bus abgeholt und gab mir eine private exklusive Führung zum nicht gleich findbaren Grab vom Max Schreck. Das Grab war lange lange Zeit verwildert und nicht ortbar, hatte kein Grabstein und wurde quasi vergessen. 2011 stiftete aber eine Filmgesellschaft einen neuen Grabstein (auch wenn er so nicht ganz passt finde ich) und sieht wieder nach einem Grab aus. Im Grab liegt ebenso Max Schrecks Mutter. Vielen herzlichen Dank nochmal an Herr Ihlefeldt, Marlow und Reinle (hoffe habe die Namen richtig in Erinnerung).

Bilder mit Genehmigung der Friedhofsdirektion gemacht. Vielen Dank.

Infos zum Film:

Bram Stoker erschuf mit „Dracula“ (1897) einer der berühmtesten Romanen aller Zeiten und daraus entstanden ebenso die berühmtesten Filmfiguren. Unzählige Male wurde Stokers Roman verfilmt. Die einen mehr, die anderen sehr wenig an den Originalinhalt angelehnt.

NosferatuFilm1922 wurde von Friedrich Wilhelm Murnau der Stummfilm NOSFERATU – Eine Symphonie des Grauens gedreht, der anfangs schwierige Hürden nehmen musste, gilt  aber heute als einer der einflussreichsten Horrorklassiker aller Zeiten. Man sieht den Film als einen der ersten Horrorfilme überhaupt. Murnau könnte meiner Meinung nach sogar als Pionier des Horror Genres ansehen. Der Film war die einzige Produktion der Prana Film und wurde als nicht autorisierte Adaption des Stoker’s Romans hergestellt, das Drehbuch schrieb Henrik Galeen, der bekannt war für seine schaurige Schreiberader. Die Ideen zu diesem Vampirfilm nahm der Produzent Albin Grau aus Kriegserlebnissen.

Drehorte waren in Wismar, Lübeck, Depenau, Lauenburg, Rostok und Sylt. Ebenso wurden in den Karpaten auf Schloss Arwaburg sowie im Ort Dolny Kubin. Die Sargszenen auf dem Fluss wurden auf der Waag gedreht. Für die Hauptrolle des Grafen Orlok wurde der charismatische Schauspieler Max Schreck verpflichtet, der hauptsächlich durch Theateraufführungen dem Publikum bekannt war. Murnau setzte geziehlt Filmeffekte ein und die fantastische Lichtgebung nahmen die Kameramänner Fritz Arno Wagner und Günther Krampf auf. Murnau erhielt für die Filmarbeit 25’000 Mark. Im Vorfeld wurde der Film massiv beworben. Der Film war aber ein finanzieller Misserfolg. Der Filmvertrieb UFA weigerte sich den Film in die Lichtspielhäuser aufzunehmen und dem Publikum zu präsentieren. So wurde Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens nur in wenigen vom Markführer unabhängigen Kinos aufgeführt. Die Folge war, dass Prana Film im August 1922 Konkurs anmelden musste und der Film wurde gepfändet.

 

Sei dies nicht Unheil genug, die Stoker Wittwe Florence versuchte im gleichen Jahr der Uraufführung via eines Anwalts Prana_Filmplakat_Nosferatuin Berlin gegen die Urheberverletzung vorzugehen und verlangte eine finanzielle Entschädigung (5000 Pfund) sowie die Vernichtung sämtlichen Filmkopien. Die Entschädigung kam jedoch nie zustande. Im Jahr 1925 wurde aber in letzter Instanz durch ein Berliner Gericht angeordnet, dass der Film komplett vernichtet werden müsse, was auch geschah. In England existierte aber noch eine Filmkopie und die englische Filmvereinigung wollte den Film öffentlich zeigen, welches Florence Stoker auch hier erfolgreich verhinderte. Die Filmkopie konnte aber vor der Vernichtung verborgen gehalten werden. Glücklicherweise wurde der Film bereits vor dem Einschreiten der Stoker Wittwe ins Ausland verkauft in diversen verschiedenen Schnittfassungen und wurden somit vor der kompletten Vernichtung so „gerettet“. Die erste offizielle autorisierte Adaption des Stoker Romans wurde von Florence Stoker an Univeral für 40’000 Dollar verkauft, welche später den nicht weniger kultige Dracula Film mit Bela Lugosi (1931) drehte.

Der Film ist heutzutage auf diversen verschiedenen DVD Fassungen erhältlich sowie kürzlich auch auf Blu-Ray erschienen.  Einen Art Remake machte Werner Herzog mit dem Film „Nosferatu – Phantom der Nacht“ in der Hauptrolle Klaus Kinski sowie Isabelle Adjani und Bruno Ganz.

Inhalt des Films:

Graf Orlok kontaktiert den Häusermakler Knock, um ein Haus in Wisborg zu erstehen. Knock schickt daraufhin seinen Sekretär Hutter nach Transsylvanien, damit dieser mit dem Grafen den Kauf abwickeln kann. Hutters Frau Ellen befürchtet vor seiner Abreise Schlimmes doch ihre Bemühungen ihn abzuhalten sind vergebens. Eines Nachts erreicht Hutter auch endlich das Schloss des Grafen und wird von ihm in Empfang genommen. Beim Aufwachen am nächsten Morgen entdeckt Hutter seltsame Bissmale am Hals doch dies gibt ihm noch keinen Anlass zu Argwohn. Während der Vertragsunterzeichnung am Abend fällt dem Grafen dann ein Bild von Ellen in die Hände und er bemerkt ihren schönen Hals. Am nächsten Tag forscht Hutter im Schloss und findet Orlok schlafend in einem Sarg. Als er dann noch die unheimliche Abreise des Grafen am Abend beobachtet, verlässt er in Sorge um seine Frau fluchtartig das Schloss …


Info!!
Der Sarg wurde schon früher von Grabschänder beschädigt und jetzt gerade wenn ich diese Zeilen schreibe habe ich bei Recherchen im Netz mit Schrecken erfahren, dass im Juli 2015, also vor kurzem, erneut Grabschänder da waren, den Sarg öffneten und den einbalmsamierten Kopf von Murnau gestohlen. Gehts noch!!! Sorry, wer sowas macht ist schlichtweg ein Untermensch und ich hoffe, dass diese Person/en zur Rechenschaft gezogen werden!!! Als ich für Fotos nachgefragt habe, war mir explizit wichtig, dass die Friedhofdirektion weiss, dass dies mit äusserstem Respekt geschieht und nun erfahre ich diese Geschichte. Eine Schande! Es ist wirklich purer Zufall und aus Zeitgründen, dass ich gerade jetzt diesen Bericht schreibe. Zuerst wollte ich es seinlassen, es gibt mir ein schahles Gefühl, aber ich veröffentliche es als Ehre für Murnau und Schreck trotzdem.

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